Stimmt es, dass Chinesen Hunde und Katzen essen? Welche besonderen Spezialitäten habt Ihr zu essen bekommen? Wenn wir uns nicht mal zwischendurch zu Mäckes, Subway oder KFC abgesetzt haben, gab´s von Seiten unseres Tourmanagers Ray knallhart die lokalen Spezialitäten bzw. serviert. Gegessen haben wir meist sehr preiswert entweder an Strassen - Ständen oder sehr einfachen Buden. Als lokale „Schweinereien“ gab es u.a. Knorpel, Hals, Kutteln, sogenannte „tausendjährige“ Eier und Dutzend anderes undefinierbares Zeug, alles tierisch scharf gewürzt, zusammen mit ner Schale Reis oder Nudeln und Gemüse. Probieren muß man, sonst wird mit Beleidigung reagiert, wenn´s dann nicht schmeckt ist´s aber ok. Stimmt es, dass Chinesen Schlitzaugen und eine gelbe Hautfarbe haben und zwei Köpfe kleiner sind als der gemeine Europäer? Habt Ihr aufgrund Eurer Größe gelegentlich Schwierigkeiten gehabt (z.B. beim Schlafen)? Wir haben schon derbe in den Himmel geragt und dementsprechende „Gua Lou“ („Weiße Teufel“) – Blicke und Sprüche abbekommen; böse Anfeindungen blieben aber durchweg aus. Unsere Größe hat sich vor allem beim Durchdrängeln in den hoffnungslos überfüllten Bahnhöfen der Millionenstädte bezahlt gemacht. In den Zugabteilen selbst ist mega Gedränge angesagt, und wenn man nicht vorher einen der heiß begehrten Sitze gebucht hat, ist stundenlanges Stehen auf engstem Raum angesagt. Dazu zwängt sich dann ab und zu noch ein Essenswägelchen mit laut rufendem Personal durch die Abteile, was für noch mehr Gedränge und Geschiebe sorgt. Ruhe ist fehl am Platz; es herrscht ein konstanter Pegel aus Geräuschkulisse, Handy Geklingel (es ist unfaßbar, wie laut man in China diese Dinger stellen kann…) und dem obligatorischem Gerotze und Gekotze, zur Not auch mal mitten in den überfüllten Gang. Befremdlich auch der Reisebus, der uns auf einer fast leeren Autobahn von Nanchang nach Changsha transportierte und dessen Fahrer permanent aus dem Fenster spuckte. Die Schlafwagen Abteile der Züge sind für Leute unserer Größe ein Alptraum; man liegt zusammengepfercht in 3 Kojen übereinandergestapelt; unten rattert der Zug, oben die Decke dicht über dem Kopf. Die Bettengröße in preiswerteren Hotels (Zimmer ca. 12 Euro) ist ok, vor Schimmel sei jedoch gewarnt! Unser Hotelzimmer in Hongkong war jedoch so klein wie ein Badezimmer; neben der Pritsche alles voll verkachelt, und mit nem Duschkopf direkt über der Toilette. Gewöhnungsbedürftig halt. Stimmt es, dass alle Chinesen ständig arbeiten wie Ameisen und das für wenig Geld? Oder habt Ihr auch chinesische Pendants zum hiesigen Hartz4-Empfänger kennengelernt? Welche (Bildungs-)Schicht kam zu euren Gigs, bzw. kann es sich leisten, Punk/Skin zu sein? Der Verdienst der Einheimischen ist mehrheitlich sehr gering, doch Leute, die hierzulande von Multikonzernen angeheuert werden, verdienen teilweise das doppelte wie in Deutschland. Apropos Multikonzerne: Der Strassen Verkehr in vielen chinesischen Millionenstädten ist mehrheitlich von Taxis der Marke VW Santana geprägt, und wenn man sieht, wie viele Taxis an einem sekündlich vorbeirauschen, fragt man sich, warum VW finanziell am Jammern ist…. Stimmt es, dass alle Chinesen nur ein Kind haben dürfen? Und was geschieht mit dem Zweitgeborenen? Wir haben während unserer Tour durch die großen Millionenstädte mehrheitlich Familien mit mehreren Kindern zu Gesicht bekommen; sieht so aus, als ob sich die 1 Kind Politik von Seiten der Regierung erledigt hätte; in kleineren, abgelegenen Orten könnte das aber noch eventuell anders ablaufen… . Stimmt es, dass die Kommunistische Partei in China alles und jeden Winkel des Landes kontrolliert? Hat die Kommunistische Partei von China das Land fest im Griff? Und wie habt Ihr diese Diktatur in dieser kurzen Zeit erlebt? Uniformierte sind im Stadtbild, an den Bahnhöfen und vor allem an den touristischen Sehenswürdigkeiten sehr verbreitet. Verkehrspolizisten stehen an Ampeln größerer Kreuzungen, weil die Autofahrer sonst einfach bei Rot rüber fahren würden. Riesige Plakate werben martialisch für die Armee. An den Bahnhöfen müssen die Massen an Passagieren erst hinter Absperrungen warten, um dann irgendwann auf ein Kommando zu den einzelnen Bahnsteigen zu stürmen, in Hoffnung, noch einen der begehrten Sitzplätze in den Zügen zu ergattern. Am Bahnhof von Shengzhou hatten wir Schwierigkeiten, mit unserem vielen Gepäck (u.a. Merchandise, Gitarren, Becken, Fußmaschine) rechtzeitig auszusteigen, bevor der nächste Schwall von Leuten den Zug enterte. Sofort kamen Uniformierte angerückt und schrien uns mit Megaphonen an, sofort den Zug zu verlassen. Selbst bei den Einheimischen machte sich sofort eine gewisse Schadensfreude breit, die jedoch abrupt verstummte, als wir uns einmal in einem Moment geprägt von Wut umdrehten und die Uniformierten mit den Megaphonen ins Visier nahmen. Kaum wieder umgedreht ging das Geschreie aber wieder nahtlos weiter. Draußen am Bahnsteig angekommen wurden die restlichen Einsteigewilligen wie bei einem Flüchtlingstransport in die verschiedenen Eingänge des Zuges hineingepfercht; einige Meter weiter marschierte die nächste Militärkolonne im Stechschritt und mit lauten Kommandos zum nächsten Einsatz – so hatten wir uns eigentlich Nord Korea vorgestellt… . An den Ausgängen der Bahnhöfe und an Strassen Ecken findet man oft unsäglich plärrende Werbe- oder Wegweiser Tonband – Megaphone; daneben stehen Straßenhändler mit unberührter Miene, denen das noch nicht mal was auszumachen scheint. Die Hektik und das Gedränge haben wir persönlich als sehr nervenaufreibend empfunden; doch bereits nach einigen Tagen waren wir selbst so abgestumpft, daß uns außer das laute Handy Geklingel kaum mehr was geschockt hat. Stimmt es, dass man in Hongkong und Shanghai vor allem Englisch, kaum chinesisch oder Kantonesisch spricht? Wie konntet Ihr Euch insgesamt mit der Bevölkerung verständigen? In Hongkong wird außer Englisch überwiegend Kantonesisch gesprochen; unser Tourmanager Ray meinte, das wäre kein Dialekt mehr, sondern eher eine eigenständige Sprache. Hong Kong ist aber sowieso völlig anders als der Rest Chinas, den wir gesehen haben: Alles läuft äußerst zivilisiert ab und ist sehr Englisch geprägt; sogar das Wegschmeißen einer Zigarette auf den Boden wird mit umgerechnet 170 Euro Strafe geahndet. Außerhalb von Hong Kong ist man ohne Chinesisch Kenntnisse ziemlich aufgeschmissen: Als wir mal mit mehreren Taxis morgens vom Hotel zum Bahnhof gefahren sind, hat unser Fahrer die anderen Taxis verloren und hat uns irgendwo abgesetzt. Wir haben dann auf der Straße zig Menschen auf Englisch gefragt, wo der Bahnhof sei, aber keiner konnte auch nur ein einziges Wort. Glücklicherweise hatten wir einen bebilderten Sprachführer dabei… . Stimmt es, dass Ausländer in China wie Könige behandelt werden? Wie seid Ihr insgesamt aufgenommen worden und welche Unterschiede habt Ihr im Vergleich zu Deutschland ausgemacht? Vor allem in den Städten innerhalb des Landes (Zengzhou, Nanchang, Xian, Changsha) sieht man wenig Europäer; dementsprechend ist die Verwunderung und Neugier der Bevölkerung oft groß. Im Schlafwagen wurde ich morgens gleich von meinem Bettnachbarn aus der Mongolei mit Fragen überhäuft. Die chinesische Punkszene ist noch sehr jung und gerade im Aufbau, dementsprechend waren noch nicht viele Bands von außerhalb dort. Unsere Sängerin Kirsten wurde oft für ihren Mut gelobt, sich als Frau selbstbewußt auf eine Bühne zu stellen. Viele Chinesen wundern sich, daß man hierherfährt, aber kein Chinesisch sprechen kann. Stimmt es, dass alle Chinesen sehr zurückhaltend und friedliebende Geschöpfe sind? Wie hat das Publikum Eure Konzerte aufgenommen? Aggressionen haben wir kaum mitbekommen, auf einem Gig gab´s mal ein kleines Handgemenge, mehr jedoch nicht. Im Straßenverkehr und auf Bahnhöfen herrscht wie bereits erwähnt ein mega Gedrängel, aber man schubst sich eher friedfertig durch und versucht Streß zu vermeiden. Sogenannte Rockclubs gibt es in jeder Millionenstadt gerade mal einen; so ist es kein Wunder, daß das Publikum bei Konzerten sehr gemischt ist. In Shenzen beispielsweise kamen neben einigen Punks auch gutsituierte Geschäftsmänner mit ihren Frauen zu unserer Show; die haben sich weiter hinten an nen Tisch gesetzt und Würfel gespielt; wir haben gedacht, die würden gleich rauslaufen, wenn wir anfangen, aber die sind unbeeindruckt sitzen geblieben. Im selben Club sind vor einiger Zeit auch Napalm Death und die Backstreet Boys aufgetreten, also scheint die Leute da wohl nichts mehr zu schocken… . Welche Vorurteile haben Chinesen eigentlich gegenüber uns Europäern? Das Vorurteil von den „Weißen Teufeln“ ist noch sehr in den Köpfen verbreitet; geschätzt werden dagegen vor allem deutsche Autos und deutsches Bier, verabscheut wird das Essen, was man hierzulande in einem chinesischen Restaurant bekommt, denn das sei total verfälscht. Allgemein hat man mit dem europäischen Essen so seine Berührungsängste – italienische Küche und Wiener Würstchen sind da die löbliche Ausnahme. |