- So, erst mal das Übliche: Stellt Euch einfach unseren Lesern mal vor. Kirsten – Gesang, Dole – Gitarre, Silvio – Gitarre, Hannes – Bass, Björn – Schlagzeug. Wir haben Combat 77 Mitte 2007 gegründet. Unsere Heimatstädte sind Hannover und Hildesheim. Unser erstes Album „100% Oi!“ ist Mitte 2008 auf Sunny Bastards (CD) bzw. Contra Records (LP) erschienen. - Combat 77 besteht ja aus Annex 5- , Vendetta- und Riot Company- Mitgliedern. Wer gehört denn wohin und wie kam es zur Gründung von Combat 77? Kirsten und Björn haben bei Annex5 und Vendetta gespielt, der Rest spielt bei Riot Company. Nachdem sich Vendetta aufgelöst hatte, wollten Kirsten und Björn aus Hannover weiterhin Oi! Mucke machen, so wurde eines Tages Dole aus Hildesheim aktiviert, der dann 2 weitere Leute von Riot Company mit ins Boot holte. - Warum wurde Combat 77 gegründet, konntet Ihr die Sachen nicht in den anderen Bands umsetzen? Es gab schon ne Menge Songideen vor der Bandgründung, die vor allem auf Frauengesang zugeschnitten waren und bereits eine eigene Marke besaßen, deswegen war es nur normal, dafür auch ne neue Band zu gründen. Zudem hat sich herausgestellt, daß alle Bandmitglieder auf dem selben Level sind, nicht nur, was das Biertrinken angeht… . - Ich hoffe, dass C 77 nicht nur ein kurzes Projekt ist, sondern eine noch lange bestehende Band, da Eure Musik einfach geil ist. Wie seht Ihr die Zukunft von Combat 77? Es läuft alles prima, das Album verkauft sich gut, die Proben verlaufen angenehm unstressig, und die Gigs machen Laune. Also alles im grünen Bereich. - Wenn man die Fotos in Eurer CD betrachtet, so deckt Ihr scheinbar ziemlich alle Subkulturen ab und der Volksmund sagt „viele Köche verderben den Brei“. Bei Euch scheint es genau umgekehrt zu sein, da an Eurer Musik alles stimmt. Kommt Ihr musikalisch immer auf einen Nenner, oder kommt es auch mal zum Streit, weil dieser oder jener Stil mit in die Musik soll? Nein, jeder hat halt seinen persönlichen Musikgeschmack, aber Oi! hören alle gerne. Somit ist das überhaupt kein Problem. Bei neuen Songs läßt jeder natürlich irgendwie seinen eigenen Stil mit einfließen, aber das ist auch gut so und stört das Gesamtkonzept in keinster Weise. „If the Kids are united“ eben. - Der Titel Eures Debüts, „100% Oi!“, trifft es auf den Punkt und einige Riffs klingen für mich schon mal stark nach Sparrer oder Business, aber mit eigener Kante und wer es nicht weiß, würde Euch wohl ohne weiteres für `ne Band von der Insel halten. Wie waren die Reaktionen auf Eure erste Scheibe? Habt Ihr `ne Ahnung wie viel schon unters Volk gebracht wurden? Die Reaktionen waren durchweg sehr positiv, und die Erstauflage wird auch schon bald vergriffen sein. Wir haben uns bewußt an alten englischen Oi! Bands wie Last Resort, Indecent Exposure, Cock Sparrer, Adicts oder Vice Squad orientiert; die „Deutschpunk“ Richtung, die von vielen Oi! Bands gefahren wird, ist nicht so unser musikalisches Ding. - Würdet Ihr im Nachhinein etwas anders machen, oder seid Ihr mit der Scheibe vollends zufrieden? Wir sind absolut zufrieden, da wir vor der Produktion kaum etwas dem Zufall überlassen haben, sprich: wir haben zuvor intensiv geprobt und die Songs entsprechend rund ins Studio getragen. Der Mischer, der bereits zuvor schon das Annex5 – Sex Rag Album produziert hat, wußte gleich, was wir meinen, und hat uns einen fetten Sound verpaßt, über den man nicht meckern kann. - Eure Songs sind komplett auf Englisch. Wollt Ihr dadurch auch vermehrt das internationale Publikum ansprechen, oder liegt es daran, daß sich die englische Sprache besser für Oi!- Musik eignet? Kirsten ist in Kanada aufgewachsen, deswegen lag es am Nahesten, englische Texte zu wählen. - Wird es in Zukunft vielleicht auch mal deutsche Stücke von Combat 77 geben? Mal sehen, alles ist möglich. Wir sind da nicht grundsätzlich abgeneigt, Hauptsache es paßt. - Wie würdet Ihr Leuten, die Eure Lieder nicht kennen, diese beschreiben (von der Musik und den Texten her)? Musikalisch: Früh 80er Oi! Musik mit viel griffigen Melodien. Textlich: Alles über das alltägliche Leben: Arbeiten, Saufen, Party, Ungerechtigkeit, Freundschaften usw. - Wie zufrieden seid Ihr mit der Zusammenarbeit zwischen Euch und dem „Sunny Bastards“- Label? Alles läuft super. Die Leute von Sunny Bastards kümmern sich sehr gut um ihre Bands, machen klasse Promotion und helfen auch mal mit dem einen oder anderen Festival. Die LP ist bei Contra Records erschien, und Hechti ist auch ein sehr netter Vogel. - In wie weit konntet Ihr bei der Gestaltung der CD mitreden? Das war komplett unsere Sache. Das gesamte Artwork ist von einem spanischen Comic Zeichner namens Javi entworfen worden, der hatte bereits das Cover und Booklet des „Sex Rag“ Albums von Annex5 gestaltet. Wir haben ihm zu jedem Song den Inhalt mitgeteilt und ihm dazu eigene Bilder gestalten lassen, das Resultat kann sich durchaus sehen lassen. - Ihr seid ja auch auslandsaktiv. Wie kommt Ihr dort beim Publikum an? Wieder durchweg positive Resonanzen. In Prag haben wir auf dem Subculture Fest auf der Hauptbühne spielen können, das war schon ne tolle Atmosphäre. Im Oktober haben wir 2 Gigs in Ungarn absolviert, da kannten uns viele Leute bereits von unseren Songs auf „MySpace“, und denen hat´s sehr gut gefallen, viele haben uns danach noch Mails geschickt und meinten, daß sie es sehr überzeugend fanden. - In Osteuropa kann man Euch ja auch live bewundern. Trotz der Annäherung zum Westen sind viele Länder dort immer noch nicht ganz so frei wie sie sein wollen oder sollten. Auch entwickeln sich dort die Subkulturen erst langsam zu dem, was im Westen bereits vorbei zu sein scheint. Was für einen Eindruck nehmt Ihr aus diesen Ländern mit? Die Tschechei ist ja schon etwas länger sehr westlich orientiert. In Ungarn waren wir überrascht, wie gut die Infrastruktur ist, selbst in Orten weit hinter Budapest, Richtung rumänische Grenze. Wir hatten den Eindruck, daß es dort in naher Zukunft wirtschaftlich weiter bergauf gehen könnte. - Was unterscheidet sich bei Konzerten im Ausland von Konzerten in Deutschland? Natürlich erstmal die Anfahrt. Nach dem letzten Gig in Ungarn haben wir 15 Stunden gebraucht, um nach Hildesheim zu kommen, das war schon recht derbe, weil einige von uns am selben Tag morgens wieder arbeiten mußten. Ansonsten hat halt jedes Land seine typischen Eigenheiten, aber vom Publikum her ist es meist so gemischt wie in Deutschland auch. - Neben einem „myspace“- Profil habt Ihr ja auch eine eigene Netzseite. Wie wichtig ist das Internet für Musiker aus Subkulturen heutzutage? Sehr wichtig, da man vor allem in Übersee einen viel größeren Bekanntheitsgrad erreichen kann; dort, wo unser Album sonst gar nicht bekannt werden würde. Es ist außerdem die erste und meist beste Adresse für Konzert Informationen und Details. Wir haben durch unsere MySpace Seite schon ne Menge Anfragen und CD Bestellungen erhalten, schon allein deswegen lohnt sich der Aufwand. - Sind Zines heute noch wichtig, um über Bands zu informieren, oder den Bands eine Plattform in Form eines Interviews zu bieten? Ja, vor allem gedruckte Exemplare, denn in der schnellebigen Zeit des Internets ist es auch mal gut, das Leute wieder ein Heft in der Hand halten. Die Macher sollten sich halt Mühe geben hinsichtlich des Inhalts und des Layouts, sonst hat man wahrscheinlich eher geringere Chancen, Gehör zu finden. Wie bei Bands eben. - Lest Ihr privat noch Zines und welche? Was interessiert Euch dann am meisten? Meist die üblichen größeren Zines, ansonsten vor allem das Oi! the Print. Wichtig sind gut recherchierte Interviews mit kleinen Extras wie Discografien, außerdem Fotos in annehmbarer Qualität, Tourdaten, ehrliche Reviews und vor allem persönliche Rubriken rund um die Szene. - Viele Szene- CDs bekommt man inzwischen schon bei „Media Markt“ oder „Saturn“, ob es bei Euch schon so ist, weiß ich leider net. Würde es Euch mit Stolz erfüllen, dort Eure CDs zu finden, oder steht Ihr dem eher skeptisch gegenüber? Unser Album gibt es bereits bei Media Markt und Saturn, dank des Broken Silence Großvertriebs. Wir haben da kein Problem damit, im Gegenteil: Man sollten solchen Einkaufsketten wie Saturn oder Online Portalen wie Amazon nicht ausschließlich der Mainstream Musik überlassen, denn es ist wichtig, das auch Leute, die sich noch nicht so gut im subkulturellen Netz auskennen, die Chance bekommen, auf solche Sachen aufmerksam zu werden und sich z. B. mit Oi! Musik anzufreunden. - Was können die Leser in naher Zukunft von Euch erwarten? Wir arbeiten an neuen Songs und werden künftig verstärkt Gigs spielen und Bier trinken. - Nun ist Zeit für letzte Worte, Grüße, oder was auch immer. Danke für´s Interview, Grüße an die Leserschaft und Prost! |